Dachbegrünung

Als spezielle Art der Dachflächennutzung und -gestaltung kann die Dachbegrünung in unterschiedlicher Art und Weise aufgebaut sein. Generell wird zwischen intensiver und extensiver Begrünung unterschieden. Aus der Nutzung ergeben sich wirtschaftliche, aber ebenso auch ökologische Vorteile. Gründächer bieten zum Beispiel Lebensraum für Tiere und Pflanzen, leisten einen Beitrag zum Hochwasserschutz und binden Staub- und Schadstoffe.

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Vorüberlegungen

Die Vorüberlegungen in der Planungsphase erstrecken sich grundlegend auf vier Bereiche:

  • Fachgerechter Dachaufbau und DIN-gerechte Abdichtung
  • Fachgerechter Aufbau der Dachbegrünungen
  • Nutzung von begrünten Dächern als Verkehrsfläche
  • Fachgerechte Pflege

Extensiv oder intensiv

Die Entscheidungskriterien für die Art der Dachbegrünung liegen insbesondere in der Pflanzenwahl und dem damit verbundenen Pflegeaufwand. Nach dem geplanten Bewuchs wiederum richten sich der Aufbau der Substratschichten, das Dachgewicht und die statische Konstruktion. Generell unterscheidet man intensive und extensive Dachbegrünung:

Intensivbegrünung auf Dächern

Im Sprachgebrauch werden Intensivbegrünungen häufig auch als Dachgärten bezeichnet. Stauden, Sträucher, Rasen und andere Pflanzen, die sonst auf offenem Boden wachsen, erhalten durch die entsprechenden Substratschichten einen verwertbaren Lebensraum. Genutzt werden intensiv begrünte Dächer als Garten oder Terrasse, oft werden auch die Dächer von Tiefgaragen intensiv begrünt und genutzt. Die Aufbauhöhe der Substratschichten beträgt 25 cm und mehr, als Flächenlast werden mehr als 3,0 kN/m² angesetzt. Bei der einfachen Intensivbegrünung werden pflegeleichte Stauden, Gräser und Gehölze gewählt. Der Aufwand für Bewässerung und Pflege reduziert sich dadurch ebenso wie Aufbauhöhe oder Lasten. Diese liegen bei 15 bis 25 cm, bzw. 1,5 und 3,0 kN/m².

Extensivbegrünung für Dachflächen

Gut angelegte extensive Dachbegrünungen werden zum Selbstläufer und brauchen, abgesehen von der sogenannten Fertigstellungspflege, die etwa 12 Monate nach der Anlage erfolgt, nur wenig weitere Wartung. Geeignet sind hier insbesondere Gräser, Kräuter, Moose oder Sedumpflanzen. Insbesondere Letztere sind leicht zu kultivieren und kommen mit wenig Wasser aus. Die Schichtdicken liegen zwischen 6 und 15 cm, an Lasten für das Flächengewicht werden 0,5 bis 1,5 kN/m² angesetzt.

Die genaue Planung der Dachbegrünung

Die genaue Planung trägt entscheidend dazu bei, dass die Dachbegrünung später mängelfrei ihren Zweck erfüllt und das Gebäude einerseits abdichtet und andererseits eine gesunde grüne Grenze zwischen Dach und Außenluft darstellt. Im Zuge der Planung sind insbesondere auch folgende Aspekte relevant:

Statische Anforderungen an den Dachaufbau

Eine Dachbegrünung hat durch ihr Gewicht immer auch Einfluss auf die statischen Anforderungen an den Dachaufbau. Wesentlicher Faktor für das Maß der Belastung ist der Schichtaufbau, beziehungsweise die Schichtdicke und deren Gewicht im wassergesättigten Zustand. Während das Gewicht bei einer Extensivbegrünung zwischen 80 und 100 kg/ m² liegt, kann dieser Wert bei Intensivbegrünungen je nach Bepflanzung auf bis zu 1.000 kg/ m² Dachfläche ansteigen. Deutlich weniger ins Gewicht fallen Leichtgründachsysteme mit geringen Substratschichtdicken und einem Gewicht von 60 bis 70 kg/ m². 

Durchwurzelungsschutz

Um die Abdichtung des Daches und dessen statische und konstruktive Funktionalität dauerhaft zu gewährleisten, muss immer ein wirkungsvoller Durchwurzelungsschutz vorgesehen werden. Dazu können unterschiedliche Systeme eingesetzt werden, als relevante DIN ist die DIN EN 13948: „Abdichtungsbahnen - Bitumen-, Kunststoff- und Elastomerbahnen für Dachabdichtungen - Bestimmung des Widerstandes gegen Wurzelpenetration“ zu beachten. 

Aufbau in mehreren Schichten

Der Aufbau von Gründächern erfolgt in mehreren Schichten, beachtet werden muss jeweils eine strenge Funktionstrennung, damit alle Schichten störungsfrei ihre Aufgabe erfüllen können.

Begrünungsarten

Für die Begrünungsarten lassen sich extensive und einer intensive Begrünung unterscheiden. Der Pflegeaufwand für Intensivbegrünungen liegt im Vergleich deutlich höher. 

Dachentwässerung

Die Dachentwässerung spielt eine wichtige Rolle für die reibungslose Funktion des Dachs. Im Vergleich zu nichtbegrünten Dächern sinkt insbesondere die Menge des abzuleitenden Niederschlagswassers um 50 bis 70 %. Dementsprechend geringer kann die Entwässerung dimensioniert sein. 

Verhinderung von Erosion

Richtig gewählte Substratschichten mit gebrochenen Kornstrukturen auf dem Gründach sind für Erosion kaum anfällig. Weiterhin reduziert wird die Erosion durch die zunehmende Begrünung und Durchwurzelung. 

Statische Anforderungen an begrünte Dächer

Das Eigengewicht, das durch eine Dachbegrünung auf den Dachaufbau einwirkt, ist beachtlich. Für die statische Berechnung wird das Gesamtgewicht im wassergesättigten Zustand als Rechengröße verwendet. Insbesondere die Vegetationssubstrate und die Dränschichten sorgen für ein hohes Gewicht. Relevante Norm in diesem Zusammenhang ist insbesondere die DIN 1055 „Einwirkungen auf Tragwerke“.

Dachbegrünungen bleiben durch die Bepflanzung und bei der Anwendung kantiger Substratarten auch bei stärkeren Winden lagesicher. Soll die Begrünung als Auflast auf lose verlegten Dachabdichtungen dienen, muss die Begrünung sofort nach Abschluss der Abdichtungsarbeiten erfolgen, damit es nicht zu erosionsartigen Erscheinungen kommt.

Die Zusammensetzung der Substratschichten

Für die sogenannte Vegetationsschicht der Dachbegrünung, also die Schicht, in der die Bepflanzung wurzelt, wird ein spezielles Substrat verwendet. Dieses besteht aus einem hohen Anteil an mineralischen Schüttstoffen und wenigen organischen Bestandteilen. Verwendet werden zum Beispiel Lava oder Bims, aber auch Recyclingstoffe wie zermahlene Tonziegel. Ein hochwertiges Substrat muss bestimmte Eigenschaften hinsichtlich Speicherfähigkeit, Stabilität, Durchlässigkeit und Korngrößenverteilung aufweisen. Entscheidend für die Auswahl sind insbesondere folgende Kriterien:

  • Art der Begrünung (extensiv oder intensiv)
  • Statische Möglichkeiten
  • Lagesicherheit bei Wind
  • Flugfeuerbeständigkeit
  • Luft- und Wasserhaushalt
  • Nährstoffversorgung
  • pH-Wert

Die Hersteller bieten verschiedene Gründachsysteme an, in denen die genannten Anforderungen berücksichtigt und systematisch erfüllt werden. Die einzelnen Schichten und die verwendeten Materialien sind genau aufeinander und auf den geplanten Verwendungszweck abgestimmt, die Systeme selbst verfügen in der Regel über standardisierte Beiwerte und Kennzahlen sowie eine technische Zulassung.

Gründachpflege

Der Pflegeaufwand für ein begrüntes Dach richtet sich nach der Art der Begrünung. Während extensive Gründächer mit einer Fertigstellungspflege sowie später ein bis zwei Wartungsgängen pro Jahr auskommen, benötigen intensiv bepflanzte Gründächer auch eine intensive Pflege. Hier fallen alle Tätigkeiten an, wie sie auch im Garten fällig werden. Die Bepflanzung muss bewässert, gedüngt und gejätet werden. Ist das Dach mit Gras begrünt, muss einmal pro Jahr ein Regenerationsschnitt erfolgen, damit es nicht zur Verfilzung kommt.

Vorhandene Dächer begrünen

Ein funktionierendes Gründach muss verschiedene Voraussetzungen erfüllen. Ob sich ein vorhandenes Dach zur Begrünung eignet, beziehungsweise welche Maßnahmen gegebenenfalls ergriffen werden müssen, um eine Eignung zu erreichen, sollte im Vorfeld genau überprüft werden. Insbesondere folgende Punkte brauchen besondere Aufmerksamkeit:

  • Art und Qualität der Dachabdichtung
  • Statische Lastreserve
  • Art der Dachkonstruktion
  • Prüfung auf Wurzelfestigkeit
  • Vorhandene Dachdurchdringungen
  • Standortbedingungen
  • Möglichkeiten der Zusatzbewässerung

Entwässerung und Gefälle

Auch wenn bei begrünten Dächern ein Großteil des Wassers gespeichert wird, entsteht Überschusswasser, das entsprechend fachgerecht abgeführt werden muss. Die Aufbauhöhe der Begrünung bestimmt über das Maß, beziehungsweis. die Menge des entstehenden Wassers und damit auch über die Dimensionierung der Dachentwässerung. Angesetzt werden die Beiwerte und Kennzahlen wie sie in der Dachbegrünungsrichtlinie festgelegt sind. Zusätzlich zur Schichtdicke wird auch das Gefälle mit berücksichtigt. Kommen Gründachsysteme zum Einsatz, sind von den Herstellern in der Regel die entsprechenden Beiwerte bereits festgelegt. Ein wichtiger Aspekt bei der Installation von Entwässerungssystemen auf Gründächern ist die Zugänglichkeit. Kontrollschächte über den Dachabläufen mit umlaufendem vegetationsfreien Streifen sichern die Zugangsmöglichkeit.

Wird eine Dachbegrünung auf einem Flachdach installiert, das weniger als die empfohlenen 2 % Gefälle aufweist, dann dient eine Dränschicht als Puffer. Diese muss so hoch sein, dass zwischen Filtervlies und stehendem Wasser eine ausreichende Luftschicht verbleibt. Für Intensivbegrünungen sind Flachdächer ohne Gefälle dagegen ideal.

Anforderungen an die Gründachabdichtung

Gerade bei Dachbegrünungen kommen dem Aufbau und der Ausführung der Dachabdichtung eine hohe Bedeutung zu. Bevor die Aufbauschichten der Begrünung aufgebaut werden, muss die Dachabdichtung genau auf ihre absolute Dichtigkeit hin geprüft werden. Spätere nachträgliche Abdichtungsmaßnahmen sind aufwendig und oft mit höheren Kosten verbunden.

Für die Abdichtung können die üblichen Abdichtungsmaterialien wie Bitumen, Kunststoff oder Elastomerbahnen verwendet werden. Ebenso sind Flüssigabdichtungen und ganzflächige Beschichtungen möglich. Die Abdichtung muss wurzelfest sein oder mit einer zusätzlichen Wurzelschutzschicht versehen werden, dies gilt ebenso für alle Anschlüsse, Durchdringungen und Fugen. Werden Dachflächen intensiv begrünt, muss zusätzlich zur Flachdachrichtlinie die DIN 18195-5 „Bauwerksabdichtungen, Abdichtungen gegen nicht-drückendes Wasser“ beachtet werden.

Absturzsicherungen bei Arbeiten auf Dächern

Bei der Ausführung von Dacharbeiten müssen bestimmte Vorkehrungen getroffen werden, um das Absturzrisiko zu minimieren. Ab einer Höhe von 3,0 m ist eine Absturzsicherung zwingend vorgeschrieben, wenn der Abstand von der Kante weniger als 2,0 m beträgt. Geeignet sind Anseilschutz, Fangnetze, Geländer oder Gerüste. Die wichtigsten Vorschriften sind in der BGV C 22 (Teil II § 12), DIN 4426 sowie der DIN EN 795 zu finden. Keine Maßnahmen müssen ergriffen werden, wenn eine Attikahöhe von mehr als 1,0 m vorliegt.